Welt der Samurai - Kultur; Teezeremonie, Malerei, Kalligraphie und Theater
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Kapitel 1   Theater
Kapitel 2   Musik
Kapitel 3   Der Tee-Weg
Kapitel 4   Malerei
Kapitel 5   Die japanische Kalligraphie und die Schrift
Kapitel 6   Literatur und Dichtkunst
Kapitel 7   Japanische Gärten


Theater

Das No-Theater

Das japanische Theater entwickelte sich im 14. Jahrhundert zu einer hochstilisierten Kunstform. Das No-Theater, mit einer Mischung aus Tanz, Pantomime, Dialog und Gesang, war aus kultischen Tänzen entstanden.
Es geht unter anderem auf shintoistische Ritual-Tänze und Tanztheater wie das Sarugaku zurück. Bewegung und Körpersprache stehen im Vordergrund und werden von den Darstellern jahrelang einstudiert. Genaue Vorgaben bestimmen jede Geste, jedes Wort und jeden Schritt der Schauspieler.

Die Requisiten sind nur angedeutet, die Kostüme jedoch aufwendig und prachtvoll. Der sogenannte Shite, ist der Hauptdarsteller eines Stückes. Die Hauptcharaktere tragen kunstvoll geschnitzte Masken, die jeweils bestimmte Charaktere darstellen.
Diese Masken sind immer etwas kleiner als das Gesicht des Darstellers, denn das lässt den Schauspieler großer erscheinen. Übernatürliche Wesen, Frauen, alte oder junge Männer werden grundsätzlich mit Maske dargestellt. Ist die Hauptfigur jedoch männlich und erwachsen trägt sie keine Maske. Alle No-Bühnen sind sehr ähnlich aufgebaut. Den Hintergund bildet, an der Rückwand, die Darstellung einer Kiefer.

Traditionelle No-Stücke lassen sich in 5 Gruppen unterteilen:
  1. Götterstücke; der Gott erscheint zuerst in menschlicher und dann in seiner ursprünglichen Gestalt als Ungeheuer, Pflanze oder Tier.

  2. Shura-mono, kriegerische Themen, z.B. der Geist eines toten Kriegers erscheint bei einem Priester und wird erlöst.

  3. In Kazura-Stücken sind Frauen oder weibliche Geister unglücklich verliebt oder haben einen großen Verlust erlitten.

  4. Dramatische Stücke vom Wahnsinn.

  5. Kiri oder Kichiku, Stücke um übernatürliche Wesen und Dämonen.
Während der Edo-Periode war es ein Privileg des Samurai-Standes, im No-Theater aufzutreten und die Vorstellungen zu besuchen.
Heute wird das No-Theater in seiner seit Jahrhunderten unveränderten Form gepflegt. Es kamen zwar auch neue Stücke hinzu, jedoch änderte sich nichts an seiner abstrakten, unwirklichen und traumhaften Art.

Das Kyogen-Theater

Zusammen mit dem No, entwickelte sich das Kyogen (wörtlich: "verrückte Worte"). Es wurde als ein Zwischenspiel zwischen den Akten des No aufgeführt. Das Kyogen ist eine unterhaltsame Form, in der das Publikum zum Lachen gebracht werden soll. Das Kabuki-Theater wurde vom Kyogen stark beeinflusst.

Das Kabuki-Theater

Neben dem anspruchsvollem No-Theater entwickelte sich im
17. Jahrhundert das eher volkstümliche, unterhaltsame Kabuki-Theater. Hier werden nur Schminkmasken verwendet. In beiden Theater-Formen treten traditionell nur Männer auf und stellen auch die weiblichen Rollen dar.

"Bunraku", japanisches Puppentheater

Das Puppentheater, auch Ningyo-joruri (Puppen-Erzähl-Drama) genannt, blickt auf eine 400 jährige Tradition zurück.
Der von der Insel Awaji stammende Puppenspieler Bunraku-Ken, etablierte diese Kunst zuerst in Osaka.
Eine Puppe wird von drei sichtbaren Puppenspielern geführt und der Text von einem oder mehreren Sängern erzählt und gesungen. Die Puppenspieler sind mit Ausnahme des Meisters schwarz gekleidet und maskiert. Der Meister, der den Kopf und die rechte Hand führt, trägt ein prachtvolles Kostüm.
Begleitet werden die meist dramatischen Stücke von mehreren Musikern.

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Musik

Über die traditionelle japanische Musik weiß Pater Lourenzo Mexia, gegen Ende des 16. Jahrhunderts, folgendes zu berichten:
"Ihre Musik klingt in unseren Ohren so mißtönend und rauh, daß es eine wahre Qual ist, ihr auch nur eine Viertelstunde lang zuzuhören. Doch um die Japaner nicht zu kränken, sind wir leider gezwungen, ihr stundenlang zu lauschen. Ihnen selbst gefällt sie so gut, daß sie glauben, es gäbe auf der ganzen Welt nichts Vergleichbares. Unsere melodiöse Musik dagegen, stößt sie ab. Während ihrer Feste veranstalten sie viele Theateraufführungen, die mancherlei vernünftige und erfreuliche Dinge zum Thema haben, aber sie werden ständig von dieser Musik begleitet."

Instrumente

Die Biwa ist eine viersaitige Laute, die mit einem großen Plektron angeschlagen wird. Sie wurde in unter anderem von blinden Sänger-Mönchen, den Biwa-Hoshi, zum Vortragen von Balladen gespielt.

Die dreisaitige Shamisen, gelangte im 16. Jahrhundert über China und die Ryukyu-Inseln nach Japan. Sie entwickelte sich zum Modeinstrument der bürgerlich-städtischen Kultur und wurde zum Lieblingsinstrument der Geisha.

Die dreizehnsaitige Koto gilt als edelste aller höfischen Instrumente.

Die Shinobue ist eine traditionelle japanische Querflöte.

Die Shakuhachi Bambusflöte war besonders bei den umherziehenden Bettelmönchen in Gebrauch. Sie praktizierten das Spiel als eine meditative zenbuddhistische Übung.


Die Taiko (dicke Trommel) kam vermutlich schon während der Kofun-Periode über Korea nach Japan. Ursprünglich dienten diese Trommeln den Shinto-Priestern zum Beschwören diverser Gottheiten. Bei den Bauern waren sie zu allerlei Festlichkeiten zu hören, als motivierende Begleitung bei der Feldarbeit, oder als Alarmsignal. Auch auf den Burgen wurden die Taiko als Alarm und Aufmarschsignal eingesetzt. Der durchdringende Klang der Kriegstrommeln konnte über große Entfernungen bis zur nächsten Burg gehört werden.

Gagaku ist die traditionelle Musik des japanischen Hofes, die auch von den Adligen selbst aufgeführt wurde. Zum ersten Mal entwickelte sich eine eigenständige japanische Hof-Musik in der Heian-Periode. Im Gegensatz zur Musik des gemeinen Volkes, entwickelte sich diese, unter anderem aus China und Korea importierte Musik, ständig weiter. Gagaku wird ohne Gesang aufgeführt. Als Begleitung von Tanzaufführungen wird sie als Bugaku bezeichnet.
Typische Instrumente der Gagaku sind:
Hichiriki; eine kleine doppelte Pfeife,
Ryūteki (wörtl. "Drachenflöte"); eine japanische Bambus-Querflöte
Shō; eine Art Mundorgel, bestehend aus 17 Bambuspfeifen,
Shōko; ein kleiner bronzener Gong.

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Der Tee-Weg

Die Teezeremonie (jap. Chanoyu) ist ein in Regeln festgelegtes Ritual für die Zubereitung und das Servieren von Tee. Die spirituelle Komponente, der Tee-Weg, wird als Chado bezeichnet.

Seinen Ursprung hatte der Tee in China, wo bereits 2780 v. Chr seine wohltuende Wirkung erwähnt wurde. Japanische Gelehrte brachten von ihren Chinareisen nicht nur den Buddhismus, sondern auch den Tee mit. Während der Nara-Periode verbreitete sich das Teetrinken unter buddhistischen Priestern und wurde sogar als Medizin eingesetzt. Als der japanische Mönch Eisai zenji, im Jahre 1191 von seiner China-Reise neue Teesorten mitbrachte, wurde auch eine verfeinerte Teezubereitung vom chinesischen Sung-Hof übernommen. Die ältesten Teeplantagen sind Asahi, Yamana, Umoji, Kyogoku und Kambayashi. Als Begründer der japanischen Teezeremonie gilt der Zen-Meister Musō Soseki (1275 bis 1351).

Die Teeblätter wurden zu feinem Pulver gemahlen und in heißem Wasser mit einem kleinen Bambusbesen in einer Schale zu grünen Tee geschlagen. Diese Zubereitungsart wird noch heute in der klassischen japanischen Teezeremonie angewandt.

Das gemeinschaftliche Teetrinken findet in einem schlichten aber stilvollem Teeraum statt, dessen Eingang nur knapp ein mal ein Meter groß ist. Der Raum soll dadurch mit einem gewissen Respekt betreten werden. Oft ist der Teeraum zum Garten hin offen. Dem Gast soll die Ruhe zur inneren Einkehr gegeben werden. In der Regel werden drei bis fünf Gäste bewirtet. Zur Überbrückung der Wartezeit werden Sake (japanischer Reiswein) und Süßigkeiten serviert.
Auch das offene Gespräch, frei von Standesunterschieden, ist hier möglich. So konnte ein Samurai seinem Herrn, während der Teezeremonie, frei die Meinung sagen und auch Kritik äußern, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.
Die Teezeremonie steht dem Zen-Buddhismus sehr nahe und gilt als eigenständige Kunstform. Dabei spielt die Ästhetik eine größere Rolle als das Teetrinken selbst. Das Ziel ist die harmonische Zusammenspiel aller Handgriffe. Diese können je nach Anlass, den verwendeten Tee-Utensilien und nach den Jahreszeiten variieren.
In der Azuchi-Momoyama-Periode (1573-1603) setzte sich in der Teezeremonie eine neue Ästhetik durch. Die Teemeister zogen die mit ihrer rohen Oberfläche natürlich und schlicht wirkende einheimische Keramik, dem kunstvollen Teegeschirr aus China vor. Dieses neue Schönheitsideal der Unvollkommenheit wird als Wabi bezeichnet.
Untrennbar mit der japanischen Teezeremonie verbunden ist die Raku-Keramik, die vom Töpfermeister Tanaka Choijros (1512-1592) hergestellt wurde. Der Begriff Raku wird mit Wohlgefühl, stille Freude und Glück übersetzt.

Begriffe rund um den japanischen Tee und die Teezeremonie:

  • Matcha - feines, grünes Pulver aus Gyokuro-Tee
  • Bancha - niedrigste Sencha-Teequalität
  • Gyokuro - japanischer Tee höchster Qualität
  • Hishaku - hölzerne Schöpfkelle, mit der das heiße Wasser geschöpft wird.
  • Cha-ire - Dose, in der das Teepulver aufbewahrt wird
  • Chashaku - Löffel, mit dem das Pulver in die Teeschale gefüllt wird
  • Chasen - Teebesen, mit dem der Tee schaumig gerührt wird
  • Chawan - Teeschale
  • Chaseki - Teehaus
  • Chashitsu - der Raum in dem die Teezeremonie durchgeführt wird
  • Roji - der Tee-Garten
  • Fukusa - ein seidenes Tuch, dass zum Reinigen der Teegeräte dient
  • Mizusashi - Wasserbehälter

Getrunken wird fast ausschließlich grüner Tee. Da der Gyokuro-Tee recht teuer ist und auch nur in kleine Mengen getrunken wird, trinkt man ihn auch aus sehr kleinen Tassen. Die heutzutage meistgetrunkene Teesorte in Japan ist Sencha.

Der Teemeister Sen no Rikyū (*1522 †1591) war der erste, der die klassischen Regeln schriftlich festlegte. Die Zeremonie nach Rikyūs Vorgaben kann bis zu vier Stunden dauern. Noch heute wird er als der bedeutendste Teemeister Japans angesehen. Rikyūs besonderer Sinn für Ästhetik prägte nicht nur die Teezeremonie selbst, sondern ebenso die Raku-Keramik, die Architektur und alle Künste die direkt oder indirekt mit der Teezeremonie verbunden waren. Sein vier Prinzipien der Teezeremonie lauteten:

   ♦  Wa (Harmonie), gemeint ist nicht nur die Harmonie zwischen Gast und Gastgeber, sondern auch die harmonisch abgestimmten Tee-Utensilien
   ♦  Kei (Respekt), respektvolles Verhalten untereinander und auch der vorsichtige Umgang mit den Tee-Utensilien
   ♦  Sei (Reinheit), vor der Zeremonie reinigt der Teemeister die Tee-Utensilien und ebenso sein Herz und seinen Geist. Die Gäste waschen die Hände und spülen den Mund aus. dazu steht vor dem Teehäuschen ein kleines, steinernes Wasserbecken
   ♦  Jaku (Stille), gemeint ist vor allem die innere Ruhe, aber auch die Ruhe im und um das Teehäuschen

Ein bekanntes Zitat von Rikyū lautet:
"Der Weg des Tees ist nichts als dies:
Zuerst kochst Du Wasser, dann machst Du den Tee und trinkst ihn."
Rikyū sah die Teezeremonie als eine Erfahrung des "Reinen Landes" des Buddha Amida.

Die Durchführung der Zeremonie war sogar ein fester Bestandteil der Samurai-Ausbildung. Bis heute wird die Teezeremonie, in ihrer traditionellen Form, in speziellen Schulen an die nächste Generation weitergegeben. Diese Schulen haben allerdings leicht unterschiedliche Stilrichtungen.


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Malerei

Die Anfänge einer eigenständigen japanischen Malerei sind in frühen buddhistischen Illustrationen (Butsu-ga) zu finden. Hier wird aber auch der koreanische und chinesische Einfluss deutlich. Im 12. und 13. Jahrhundert etablierte sich die Yamato-e, die Japan-Malerei. Als Kakemono (hochformatiges Rollbild) oder zur Raumgestaltung, beispielsweise als Byōbu (Wandschirme) und auf Fusuma (Schiebetüren), zeigt sie meist höfische Szenen und Begebenheiten aus der Geschichte, Mythen- und Sagenwelt. Häufig sieht man Szenen, in denen die Dächer ausgespart wurden, um einen Einblick in die Häuser zu gewähren. Ein bedeutender Vertreter der Yamato-e war Tokiwa Mitsunaga, der etwa 1158-1179 als Hofmaler in Kyoto tätig war, ebenso wie Fujiwara Takanobu (1142 - 1205).
Zu erwähnen ist auch die bekannte Tosa-Schule, eine Dynastie von Hofmalern, die seit dem 14. Jahrhundert tätig waren. Der erste der den Namen Tosa annahm, war Fujiwara Yukimitsu.
Tawaraya Sōtatsu (1600 - 1643) war Mitbegründer der Rimpa-Schule, die einen kräftigen und farbenfrohen Stil vertrat.
Die Kano-Schule wurde von Masanobu (1434 - 1530) gegründet, er war Maler an der shogunalen Akademie.

Die Holzdruck-Technik kam etwa im 8. Jahrhundert mit dem Buddhismus aus China nach Japan.
Etwa seit dem 13. Jahrhundert wurden immer häufiger Holzschnitte zur Illustration buddhistischer Werke verwendet. Mit der Blühte der bürgerlichen Kultur, Ende des 16. Jahrhunderts, eroberten Alltagsszenen aber auch frivole Themen den Holzdruck. Die Ukiyo-e entstand.

Ukiyo-e

In den farbenfrohen Bilden der Ukiyo-e, die ab Mitte des 17. Jahrhunderts überaus populär wurden, finden sich vor allem Motive von Schauspielern des Kabuki-Theaters, Teehaus-Szenen oder Sumo-Ringern. Der Begriff "Ukiyo" steht für die "vergängliche Welt" oder "fliessende Welt", "e" steht für Bild. Ukiyo-e war ursprünglich nicht als Kunst, sondern als Gebrauchsgrafik gedacht. Die wichtigsten Auftraggeber waren die Kabuki-Theater. Hishikawa Moronobu (1618 bis 1695) gilt als der früheste Meister der Ukiyo-e
Zu den herausragenden Künstlern dieses Genres zählt Utagawa Kuniyoshi (1798 bis 1861), der mit seinen Bildern von schönen Frauen, Kriegern, Helden, Landschaften und Tieren über Japans Grenzen hinaus bekannt wurde. Seine Werke waren nicht nur Illustrationen sondern hatten oft auch einen satirischen Inhalt.
Ein Schüler von Kuniyoshi war Tsukioka Yoshitoshi (1839 bis 1892). Er brachte mit einer kontrastreicheren Gestaltung und der Verwendung von Schatten mehr Räumlichkeit in die Farbdrucke. Seine Motive waren neben alltäglichen Szenen, vor allem die teils mythischen Geschichten legendärer Krieger.
Ein weiterer wichtiger Meister des Ukiyo-e war Andō (Ichiyu-sai) Hiroshige (1797-1858).
Katsushika Hokusai, (1760 bis 1849) war sicher einer der bedeutendsten Vertreter des japanischen Ukiyo-e. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Farbholzschnitte der Serie "Die 36 Ansichten des Berges Fuji".
Im Alter von 75 Jahren schreibt Katsushika Hokusai:
"Seit meinem 6. Lebensjahr habe ich alle möglichen Gegenstände gezeichnet und bis zum 50. Lebensjahr eine endlose Reihe von Bildern veröffentlicht. Allein alles, was vor meinem 70. Lebensjahr entstanden ist, ist nicht viel wert. Mit 73 Jahren habe ich angefangen, die Natur zu begreifen, die Tiere, Gräser und Bäume, die Vögel, Fische und Insekten. Mit 80 Jahren werde ich es noch besser können und mit 90 in die Geheimnisse der Dinge eindringen. Mit 100 werde ich soweit sein, daß Punkt und Linie leben."

Sumi-e

Die "Malerei der schwarzen Tusche" ist sehr stark vom Zen beeinflusst und besteht meist aus kraftvollen, aber gezielten schnellen Strichen. Die Beschränkung auf einige Details und die skizzenartige Ausführung ist das Wesen der Sumi-e Malerei. Die Motive sind bevorzugt natürliche Objekte, Tiere, Landschaften und Pflanzen. Ein berühmter Vertreter dieser Kunst und bedeutendster Landschaftsmaler Japans, war Sesshū Tōyō ( 1420-1506 ) , Zen-Priester und Maler, tätig im Kloster Shokokuji in Kyoto.

Weitere Begriffe rund um die japanische Malerei:

  • Eshi - Meister der Malkunst
  • E-hon - illustrierte Bücher
  • E-makimono - Bildrollen im Querformat
  • Kakemono - Bildrollen im Hochformat
  • Hori-shi - Holzschneider
  • Nishiki-e - mehrfarbiger Holzschnitt
  • Byōbu - Wand- oder Stellschirme
  • Uchiwa - runde Fächer
  • Shoheiga - Wandmalereien
  • Bunjin-ga - Literatenmalerei
  • Kara-e - Tuschmalerei chinesischen Stils
  • Nise-e - Porträtmalerei
  • Bijin-ga - Porträts schöner Frauen
  • Shunga - (Frühlingsbilder); Bilder mit erotischen Darstellungen;
    auch Makura-e (Kopfkissenbilder); oder Higa (geheime Bilder)
  • Onna-e - Bilder für den weiblichen Geschmack
  • Uki-e - Bilder mit räumlicher Tiefe
  • Yakusha-e - Bilder von Schauspielern des Kabuki-Theaters
  • Monogatari-e - Bilder aus dem Leben am kaiserlichen Hof
  • Meisho-e - Ansichten berühmter und schöner Orte
  • Sansuiga - Landschaftsmalerei
  • Suibokuga - Bilder von Landschaften mit schwarzer Tusche


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Shodo, die japanische Kalligraphie

und die Entwicklung der japanischen Schrift

Um mehr von der Schreibkunst zu verstehen, sollten wir zuerst einen Blick auf die Geschichte der japanischen Schrift werfen. Die japanischen Schriftzeichen, entwickelten sich aus der chinesischen Schrift, die im 4. Jahrhundert von koreanischen Hofschreibern in Japan eingeführt wurde. Dadurch wurden auch viele chinesische und koreanische Begriffe in die japanische Sprache integriert.
Japanisch ist allerdings eine weitgehend eigenständige Sprache, die mit keiner Anderen direkt verwandt ist. Ob die japanische Sprache, mit der tungusischen Sprach-Familie, sowie der mongolischen Familie, dem Koreanischen, den Ryukyu-Sprachen und der türkischen Sprach-Familie, gemeinsame Wurzeln hat, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Aus den chinesischen Schriftzeichen, den "Kanji", die im Grunde Ideogramme, also stark vereinfachte bildliche Darstellungen sind, entwickelten sich in Japan einfachere Silbenalphabete, die Kana. Diese Silbenalphabete sind unterteilt in Hiranaga mit 48 Zeichen und Katakana mit 47 Zeichen.

Alte Schriftzeichen

Um das Jahr 760 erschien die erste Sammlung japanischer Poesie (Manyoshu), für die man die ins Japanische übertragenen chinesischen Zeichen als Lautschrift, also entsprechend ihrer Aussprache, benutzte. Diese Schreibart bezeichnete man als Manyogana. Die Hentaigana sind alte, praktisch kaum noch verwendete Schriftzeichen. Wie die Hiranaga entstanden sie aus den Grasschriftformen der Manyōgana. Durch den bedeutenden buddhistischen Mönch Kukai (774 - 835) wurde die Entwicklung einer eigenständigen japanischen Schrift vorangetrieben.

Die ursprüngliche chinesische Schrift bestand aus etwa 50 000 Zeichen, wovon aber für den Alltagsgebrauch 3000 bis 4000 ausreichten. Nach der chinesischen Schriftreform im Jahre 1956, wurden 500 Zeichen vereinfacht und über 1000 unterschiedliche Schreibweisen bestimmter Zeichen abgeschafft. Chinesische Kinder lernen in den ersten 6 Schuljahren 3000 Zeichen.

In Japan legte man die Anzahl der allgemein gebräuchlichen Schriftzeichen nach 1945 auf 1.850 und 1981 auf 1.945 Kanji fest. Für japanische Eigennamen sind etwa 580 sogenannte Jinmeiyo Kanji in Gebrauch. Japaner mit höherer Bildung beherrschen 2500 bis 3000 Kanji, mitunter sogar bis zu 5000. Viele Worte haben unterschiedliche Schreibweisen, ebenso haben viele Kanji zwei oder mehr unterschiedliche Lesungen. Bestimmte, seltenere Kanji werden mit den entsprechenden Hiranaga-Zeichen ergänzt. Diese, in der senkrechten Schreibweise rechts neben den Kanji, kleiner abgedruckten Hiranaga, werden Furigana genannt.
Es kommt sogar vor, dass während eines Gesprächs, das Schriftzeichen mit dem Finger in der Handfläche angedeutet wird, und mögliche Missverständnisse zu vermeiden. Die japanische Schrift, die zu den kompliziertesten Schriftsystemen der Welt gehört, ist heute eine Mischung aus Kanji, Hiranaga, Katakana und dem aus lateinischen Buchstaben bestehenden Romanji.

Die traditionelle Schreibrichtung ist von oben nach unten. Diese senkrechten Zeilen werden von rechts nach links aneinandergereiht. Manga-Comix und andere japanische Bücher werden demnach von hinten nach vorne gelesen. Texte, in denen viele Romanji vorkommen, werden meist in horizontalen Zeilen von links nach rechts abgedruckt. Zeitungen verwenden, je nach Thema, sogar beide Schreibrichtungen.

Die buddhistischen Klöster hatten seit der Nara-Periode eigene Schreibstuben, in denen vor allem Sutra-Rollen angefertigt wurden. Zu dieser Zeit war es dem einfachen Volk, noch nicht einmal erlaubt zu schreiben.
Das Schreiben entwickelte sich im Lauf der Zeit zu einer angesehenen Kunst. Besonders Mitglieder des kaiserlichen Hofes und des Schwertadels ließen sich von Kalligraphie-Meistern in der Schreibkunst unterrichten. Im 16. Jahrhundert gründeten viele Meister eigene Kalligraphieschulen.
Schriftzeichen haben in Japan, China und anderen ostasiatischen Ländern, teilweise eine tiefe innere Bedeutung. Von bestimmten Zeichen geht eine starke spirituelle oder gar magische Kraft aus. So ist es zum Beispiel bei den O-Fuda oder Gofu, schlichten Papierstreifen oder Holztäfelchen auf denen magische Formeln, Schutz oder Bann-Sprüche aufgeschrieben sind.

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Literatur und Dichtkunst

Während der Fujiwara-Herrschaft entfaltete sich die Literatur zu voller Blüte. Erwähnenswert ist die, aus dem Jahr 905 stammende, Kokinshu, eine Poesiesammlung mit 1 111 Gedichten. Ebenfalls in dieser Epoche entwickelte sich die Utamonogatari, eine erzählende Prosadichtung.
Um das Jahr 1000 veröffentlichte die Dame Sei Shonagon das Makura no soshi, das "Kopfkissenbuch", in dem die Gesellschaft am Kaiserhof kritisch unter die Lupe genommen wurde. Die Hofdame Murasaki Shikibu verfasste im Jahre 1010 das Genji-Monogatari, "Die Abenteuer des Prinzen Genji", das als bedeutendes Meisterwerk der Heian-Zeit und als ältester Roman der Welt gilt.
Ab dem 13. Jahrhundert wurden romantische Krieger-Romane immer populärer. Idealisierte Helden und ihre ruhmreichen Taten wurden unter anderem im Taiheiki verewigt.
Das aus dem Jahre 1371 stammende Heike Monogatari schildert den dramatischen Krieg der Minamoto gegen die Taira.

Im 13. Jahrhundert entwickelte sich aus der Lyrikform Tanka die Renga-Dichtung. Der Dichter schrieb drei Zeilen (5-7-5 Silben) vor, den Oberstollen. Dann bat er einen Dichterfreund um Vollendung durch zwei Zeilen (7-7 Silben), dem sogenannten Unterstollen. In der Grundstruktur bestand also Renga, aus einem 31 silbigen Tanka, nur dass es von zwei Dichtern verfasst wurde.

In der Blütezeit des Zen-Buddhismus etablierte Matsuo Basho (*1644 †1694) die Haiku, die klassischen 17silbigen Kurzgedichte.

Zikaden
"Keiner merkte, dass
sie so bald schon sterben muss,
der sie zirpen hört."

In seiner Poesie brachte Basho seine einfache, stark vom Zen beeinflusste, Lebensweise zum Ausdruck und sah sie als Weg zur Erleuchtung.

Todes-Gedichte

In Erwartung des unausweichlichen Todes, wie es unter anderem vor dem Seppuku, vor einer Schlacht oder auch in Folge einer Krankheit der Fall war, verfasste der Samurai sein Todes-Gedicht, Jisei genannt. Man kann es auch als letzten Gruß an die Hinterbliebenen verstehen.
Toyotomi Hideyoshi verfasste folgendes Todes-Gedicht:
"Fallen wie Tropfen,
Ausgehen wie Tropfen,
mein Leben war nur Traum."

Das Schreiben dieser letzten Verse war auch bei Zen-Mönchen sehr verbreitet. Der Mönch Daido i'chi ( gestorben 1370 ) verfasste zu seinem Tode dieses Gedicht:
"Eine Melodie aus Nicht-Sein
Füllt die Leere
Frühlingssonne
Schneeweiße, helle Wolken
Klarer Wind"
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Gärten

Schon seit der Nara-Periode (710-794) wurden Gärten nach chinesischen Vorbildern angelegt. In der Kamakura-Periode (1185–1333), begann man eine eigene, japanische Gartenbaukunst zu entwickeln in der sich die Ästhetik des aufblühenden Zen-Buddhismus zeigte.

Bis heute hat sich dieser typisch japanische Stil erhalten und in der ganzen Welt unzählige Anhänger gefunden. Der japanische Garten ist im Wesentlichen eine stilisierte Miniatur-Naturlandschaft. Durch die raffinierte Kombination von Wasser, Steinen, Moosen und Bäumen wird ein Ort der Ruhe und inneren Einkehr geschaffen. Insbesondere die Kare-san-sui, die Zen-Gärten, wo auf Wasser und größere Pflanzen verzichtet wird, sind Orte der Besinnung und Meditation.
Der Besucher soll seinen Geist öffnen und sich mit dem Wesen der Dinge verbunden fühlen. Die wahre Kunst der japanischen Gartengestaltung besteht darin, die unverfälschte Naturlandschaft in harmonischer Weise in die künstliche Welt des Gartens einzubeziehen.
Wie die Bilder der Sumi-e Tuschezeichnungen, so waren auch die Zen-Gärten schlicht aber von genial-einfacher Schönheit.
Mit der zunehmenden Beliebtheit der Teezeremonie entwickelte sich Anfang des 16. Jahrhunderts auch ein eigener Tee-Garten der die kleinen Teehäuschen umgab. So findet hier der Besucher ein kleines Wasserbecken zum Reinigen der Hände, Tsukubai genannt.


Inhaltsverzeichnis




bild no-maske
© welt der samurai
Eine typische, hölzerne Maske des No-Theaters


Trailer zu "NO - Das Geheimnis der Stille"
eine Produktion der NIGHTFROG GmbH München
bild no-teufelsmaske
© welt der samurai
No-Maske eines weiblichen Dämons, "Hannya", eine Frau, die sich aus Wut und Eifersucht in einen grauenhaften Dämon verwandelte. Sie trinkt das Blut Ihrer unschuldigen Opfer und verschlingt sogar Kinder.

bild shamisen
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Das Spiel auf der Shamisen gehörte zur Ausbildung der Geisha

Biwa-Laute
© www.japan-antiquitaeten.de / Sammlung J.R.Miller
Die Biwa-Laute wurde meist zum Vortragen von Balladen verwendet.

bild Teezeremonie, Chado
© japan-photo.de
Beim Umgang mit den Tee-Utensilien folgt jede Handbewegung dem überlieferten Ritual.

bild hokusai
Galerie am Haus der Kunst / München
Künstler: Katsushika Hokusai
Der heilige Berg Fuji-san, war schon immer ein beliebtes Motiv japanischer Künstler

bild Sesshū Tōyō
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Künstler: Sesshū Tōyō
"Herbstlandschaft" (Nationalmuseum Tokio) Hängerolle, Tusche auf Papier. Sesshū war Zen-Mönch und sicher einer der bedeutendsten japanischen Maler der Muromachi-Zeit

raijin.jpg
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Künstler: Tawaraya Sōtatsu
Der Gott des Donners, Raijin, gemalt im Stil der Rimpa-Schule

bild hokusai
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Künstler: Katsushika Hokusai
Der Farbholzschnitt "Die große Welle vor Kanagawa", ist sicher eines der bekanntesten Kunstwerke Japans

kanji schriftzeichen zen
© welt der samurai
Zen

Zen Kalligraphie
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Kalligraphie von Musō Soseki, einer der bedeutendsten Zen-Meister, Gartengestalter und Kalligraphen der Kamakura-Zeit.
Der Text lautet: „Keine weitere Bedeutung“.

bild garten mit steinpagode
© welt der samurai
Ein typisches Stilelement des japanischen Gartens sind die Steinpagoden

Zen-Garten Kyoto
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Zen-Garten im Tofukuji-Tempel (Kyoto)

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