Welt der Samurai - Die Waffen der Samurai
weitere Seiten

Neu !  Die "WELT DER SAMURAI", jetzt auch als e-Book



Kapitel 1   Das Schwert
Kapitel 2  Pfeil und Bogen
Kapitel 3  Schwertlanze - Naginata
Kapitel 4  Speer - Yari
Kapitel 5  Andere Waffen - Shuriken, Sai, Nunchaku, ...
Kapitel 6  Feuerwaffen



Die traditionellen Waffen der Samurai

Das Schwert

Das japanische Schwert ist vollendete Synthese von zweckmäßiger Form und künstlerischer Gestaltung. Seine äußerst scharfe, robuste und zugleich elastische Klinge macht es zu einer unvergleichlichen Waffe, die bis heute Menschen in ihren Bann zieht.

Erste eiserne Klingen wurden in Japan etwa im 4. Jahrhundert geschmiedet, darauf lassen archäologische Funde schließen. Frühe japanische Schwerter, wie sie etwa bis zum 9. Jahrhundert in Gebrauch waren, hatten eine gerade und beidseitig geschliffene Klinge. Diese, Tsurugi oder Ken genannten Waffen, waren nach chinesischem Vorbild gefertigt, oder aus China importiert. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass nicht nur Schwerter, sondern auch die ersten Schwertschmiede und ihre Techniken aus China und Korea kamen.

Schwerter gehörten nicht nur zur Waffenarsenal im Kriege, sondern wurden auch ein ständiges Zubehör in Friedenszeiten. So trugen alle Krieger Japans, vom Shōgun bis zum einfachen Gefolgsmann, das etwa einen Meter lange Katana und das etwas kürzere Wakizashi.
Beide wurden unter dem Begriff Daisho (groß und klein) als Paar zusammengefasst. Sie wurden Beide, mit der schneidenden Seite nach oben, in den breiten Gürtel (Obi) eingesteckt. Dazu wurde ein Dolch (Tanto) getragen. Ein kurzer Dolch (Kaiken) war die Mindestbewaffnung für Frauen, die ihn aber in ihrer Kleidung versteckten. Im Haus gab es für das Schwert einen speziellen Ständer, so das es eigentlich immer griffbereit war. Auch Nachts war es stets in Reichweite. Das Schwert hatte im Leben des Samurai eine zentrale Bedeutung und war nicht nur Zeichen seines Standes, sondern auch Teil seiner Persönlichkeit. Es wurde vererbt und über Generationen in Ehren gehalten.

Der Shōgun Tokugawa Ieyasu ließ folgende Verordnung niederschreiben:
“ Das Schwert ist die Seele des Samurai. Wer es verliert, ist entehrt und der strengsten Strafe verfallen.”
Hohe Beamte und Mitglieder der Kaiserlichen Familie trugen meist ein langes Prunkschwert, das sogenannte Tachi. Es war oft reich verziert und wurde am Gürtel hängend getragen. Das Tachi wurde ursprünglich als Reiterschwert verwendet. Das Uchigatana war das, heute als Katana bekannte, meist etwas kürzere Schwert. Es wurde anfangs auch als Schwert der niederen Ränge angesehen, also Krieger die kein Pferd zur Verfügung hatten. Mit der Zeit wurde es auch bei berittenen Samurai immer beliebter. Als Kodachi wird die kurze Variante des Tachi bezeichnet, die in der Länge etwa dem Wakizashi entspricht, aber eine breitere Klinge besitzt und wie das Tachi hängend am Gürtel getragen wird. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts setzte sich das Schwerterpaar, also das Katana zusammen mit dem kurzen Wakizashi durch. Für den Kampf zu Fuss war es praktischer die Schwerter mit der Schneide nach oben im Gürtel zu tragen. Außerdem gab es noch das überlange Nodachi (oder Ōdachi), das mit beiden Händen geführt wurde. Für berittene Krieger waren diese Schwerter denkbar ungeeignet. Einige, sehr seltene Exemplare des Nodachi, waren über 2 Meter lang und
dienten nur zur zeremoniellen Verwendung. Es sind nur sehr wenige Exemplare bis heute erhalten geblieben.
Das Dotanuki war eine schwerere Version des Katana und selbst gegen Rüstungen sehr wirkungsvoll.

Da Schwerter meist nach individuellen Wünschen angefertigt wurden und sich in Länge, Stärke und Krümmung der Klinge von Schule zu Schule sehr voneinander unterscheiden, ist nicht in jedem Fall eindeutig klar, welchem Typ sie zugeordnet werden können. So ist auch der Unterschied zwischen Tachi und Katana nicht in der Länge oder Form der Klinge zu sehen, sondern in der Art der Montierung. Schwerter über 60 cm Klingenlänge blieben den Samurai vorbehalten.
Als Überbegriff für japanische Schwerter wird auch häufig Daito (großes Schwert) verwendet.

1588 erließ Toyotomi Hideyoshi ein Gesetz, in dem Bauern der Besitz von Schwertern verboten wurde.
Mit dem Verbot kamen versteckte Schwerter in Gebrauch. Man montierte einfach eine Schwertklinge in einen unscheinbaren Bambus- oder Holzstock und benutzte ihn z.B. als Wanderstab, Shikomi zue genannt.

Zum Schutz vor Feuchtigkeit werden wertvolle Klingen nicht in ihrer eigentlichen Scheide und Griffmontur, sondern in einer Shirasaya, einer schlichten Holzmontur aufbewahrt. Die regelmäßige Pflege des Schwertes war eine Selbstverständlichkeit. Mit einem feinen Steinpulver wurden zuerst Ölreste und Verschmutzungen von der Klinge entfernt und danach mit Reispapier neues Nelken- oder Kamelienöl aufgetragen. Ein verschmutztes oder gar rostiges Schwert war eine große Schande für jeden Samurai. Für die Schwertscheide selbst gab es noch eine zusätzliche Hülle, Shirizaya genannt, aus dem Fell eines Tigers, Bären oder Hirsches. Diese wurde vor allem von hochrangigen Samurai benutzt.

Das Bokken, ein Trainings-Schwert aus Holz (in Japan Bokuto genannt), ist nicht nur eine Trainingswaffe. Der legendäre Schwertmeister Miyamoto Musashi benutzte sein Bokken im Kampf als tödliche Waffe.

Der Stahl

Das Rohmaterial für die edelsten Schwerter war und ist noch heute, in einem Rennofen (Tatara), aus Eisensand gewonnener Tamahagane-Stahl. Der Eisensand enthält weniger Phosphor und Schwefel als herkömmliches Eisenerz. Für einfache, kostengünstige Schwerter wurden auch andere Stahlsorten, gebrauchter Stahl, zum Beispiel von zerbrochenen Klingen und nach der Ankunft der Europäer, sogar europäischer Stahl verwendet.

Zur Erklärung:

Eisen kommt in der Natur, abgesehen von Eisenmeteoriten und dem äußerst seltenen "gediegenen" Eisen, praktisch nur als Verbindung mit Sauerstoff, also als Eisenoxid vor. Seit über 4000 Jahren wurde solches Eisenerz im Rennofen verhüttet. Das Ergebnis war ein Gemisch aus Eisen mit Schlacke durchsetzt und sehr unterschiedlichem Kohlenstoffgehalt.

Das Roheisen hat einen sehr hohen Kohlenstoffgehalt von etwa 4 bis 5%, ist sehr spröde und praktisch nicht schmiedbar. Dieses Zwischenprodukt wird durch weiteres Erhitzen und Hämmern zu Schmiedeeisen weiterverarbeitet. Der Kohlenstoffanteil wird dabei erheblich vermindert. Kohlenstoff steigert zwar die Härte und Festigkeit, allerdings auch die Sprödigkeit des Eisens, die Dehnbarkeit und Schmiedbarkeit wird mit zunehmenden Kohlenstoffanteil vermindert.
Weitere Bestandteile sind zum Beispiel Phosphor, Schwefel, Silizium und Mangan. Phosphor steigert zwar auch die Härte, macht das Gefüge aber grobkristallinisch und dadurch spröde.
In der heutigen Definition ist Stahl eine Eisen-Kohlenstoffverbindung mit weniger als 2,06 % Kohlenstoff. Auch andere Legierungsbestandteile wie Chrom, Nickel, Mangan, Vanadium, Molybdän und Wolfram haben mehr oder weniger starken Einfluss auf die Eigenschaften des Stahls.

Das Schmieden

Der Schmied beginnt sein Werk mit einer rituellen Reinigung und einem Gebet, in dem er die Götter um das Gelingen seiner Arbeit bittet. Er legt weiße Kleidung an und achtet auf einen sauberen Arbeitsplatz. In der Regel arbeitet er mit zwei Helfern, die erst nach 6 jähriger Lehrzeit, bei der Herstellung der Klingen-Grundform selbst schmieden dürfen.

Das Tamahagane wird erwärmt, flach ausgeschmiedet und in kleinere Stücke gebrochen. Anhand der Bruchkanten dieser Stücke kann ein erfahrener Schmied den Kohlenstoffgehalt abschätzen. Das Roheisen wird nun zu Stahl raffiniert. Die ausgewählten Roheisenstücke werden durch vielfache Längs- und Quer- Faltungen zu einem relativ gleichmäßigen Stahlgefüge ausgeschmiedet und feuerverschweißt. Bei diesem Prozess kann der unterschiedliche Kohlenstoffgehalt des Rohstahls von 0,6% - 1,5% gleichmäßig auf etwa 0,6% - 0,7% verteilt werden. Die Kombination aus Längs- und Quer- Faltungen bestimmt auch die, nach der Politur, zu sehende Maserung, die Jihada (oder Hada).

Die heute weit verbreitete Annahme, dass vor allem die Anzahl der durch die Überlappungen entstandenen Stahllagen über die Qualität der Samurai-Schwerter entscheidet, bezieht sich wohl auf die berühmten Damastzener Klingen, die zwar auch von vortrefflicher Qualität sind, aber völlig anders konstruiert.
Hier werden häufig zwei grundlegend unterschiedliche Schmiedetechniken durcheinander gebracht. Oft wird die Meinung verbreitet, viele Lagen = gute Klinge.
Ganz so einfach ist es nicht.
So wird zum Beispiel der Stahl für das Kernmaterial, etwa 10 mal gefaltet, was 1024 Lagen ergibt.
Der Mantelstahl hat mit 15 Faltungen bereits 32 768 Lagen.

Um nochmal mit dem häufigsten Irrtümern aufzuräumen:

Die Faltung macht bei den modernen Stählen technisch gesehen keinen Sinn. Früher wurde Stahl gefaltet damit sich ein gleichmäßiger Kohlenstoffgehalt einstellt und der Stahl von den Verunreinigungen (Schwefel, Phosphor) gesäubert wird. Bei modernen Industriestählen ist dieser Prozess nicht erforderlich, da sie schon vom Hause aus ausreichend rein sind. Die Faltung haben heute höchstens einen Einfluss auf die Oberflächenstruktur, aber keinen Gebrauchswert. Von Bedeutung ist der Klingenaufbau aus der Kombination von unterschiedlichen Stählen.

Ein ebenso weit verbreiteter Irrglaube ist, es würde viele Monate dauern, ein meisterhaftes Schwert zu schmieden. Im Gegenteil, es ist zu langes Schmieden unbedingt zu vermeiden, da es die Stahleigenschaften nur verschlechtert und zu einem unnötig hohen Materialverlust durch Abbrand führt.

Auch falsch ist die Annahme, alle alten, original japanischen Schwerter seien von höchster und heute unerreichbarer Qualität. Das ist natürlich Unsinn. Unerfahrene oder schlechte Schmiede gab es zu allen Zeiten. Besonders in Kriegszeiten wurden massenhaft Waffen benötigt um die immer größer werdenden Armeen auszurüsten, was nur durch eine schnelle und oft nachlässige Produktion bewältigt werden konnte. Viele Schwerter der Koto-Periode haben Schmiedefehler und sind von vergleichsweise schlechter Qualität. Natürlich ist diese antike Massenware bis heute im Umlauf und findet immer wieder Sammler, die sich allein durch das Alter dieser Antiquitäten zu Kauf verleiten lassen.


Nach dem Prozess des Faltens wird der Rohling der Länge nach V-förmig ausgeschmiedet. In die V-Form wird ein Kern aus weicherem Stahl eingelegt und beide Teile feuerverschweißt. Die so entstandene Konstruktion aus einem etwas kohlenstoffärmeren Kern-Material (Shingane) und einem Mantel aus härterem Stahl (Kawagane) ist äußerst widerstandsfähig und sehr schnitthaltig. Bei einigen Konstruktionen kommt noch ein Schneidenstahl (Hagane) dazu. Es gibt relativ einfache aber auch sehr aufwendige, viellagige Konstruktionsarten des Klingenkörpers.
Nun wird eine meist relativ gerade Schwertform ausgeschmiedet. Die typische Krümmung der Klinge entsteht in ihrer entgültigen Form erst durch die spezielle Härtetechnik der japanischen Schmiede. Vor dem sogenannten differentiellen Härten, bei etwa 800 °C, wird der hintere Teil der Klinge mit einer Paste aus Schleifsteinpulver, Tonerde und Asche abgedeckt. Der Bereich der Schneide bleibt frei, oder wird nur mit einer sehr dünnen Schicht abgedeckt, wodurch nur die Schnittkante auf etwa 60 Rockwell gehärtet wird. Der Klingenrücken erreichte etwa 40 Rockwell. Als wesentliches Bewertungsmerkmal und "Handschrift" des Schmiedes, wird die dadurch entstandene und nach dem Polieren gut sichtbare Härtelinie (Hamon) angesehen. Dem Härten folgt das "Anlassen", bei dem die gehärtete Klinge nochmal bis zu einer bestimmten Temperatur erwärmt wird und dann langsam abkühlen muss. Durch Anlassen wird das Kristall-Gefüge (Martensit) entspannt.
Die Schwertschmiede entwickelten im Lauf der Jahrhunderte natürlich ihre eigenen, geheimen Techniken, die sie nur an ihre Schüler weitergaben. Sie folgten aber grundsätzlich dem gleichem Prinzip.

Anmerkung:
Eine genaue Auflistung der unterschiedlichen Techniken, der einzelnen Epochen, der Schulen und Stilrichtungen würde hier sicher zu weit führen und ist auch nicht in meinem Sinne. Ich überlasse dieses sehr spezielle Gebiet lieber den Fachleuten und verweise auf der letzten Seite auf Fachliteratur und diverse Websites.

Der Schmied versieht zum Schluss die Schwertangel (Nakago) mit seiner Signatur, teilweise mit Datum und Ort der Herstellung und gegebenenfalls mit weiteren Angaben. Das Schärfen und Polieren sowie die Herstellung des Griffes und der Scheide wird in der Regel von anderen Handwerkern übernommen. Für die Griffteile werden nicht nur wertvolle Metalle verwendet. Einfaches Eisen wird nicht etwa geringer geschätzt, sondern kommt durch kunstvolle Gestaltung ebenso zur Geltung wie Edelmetalle. Die Einzelteile sind meist mit feinsten, reliefartigen Darstellungen versehen. Die vielfäligen Verzierungen entstammen aus der Natur, der Mythologie, den Krieger-Legenden oder stellen einfache Alltagsszenen, Familienwappen und religiöse Motive dar. Die Schwertscheide (Saya) wird aus Holz gefertigt und oft schlicht lackiert. Höher gestellte Samurai bevorzugten, mit Beginn der Muromachi-Periode, Saya die mit raffinierten Lackierungen, geschliffener Rochenhaut, kunstvollen Wicklungen oder aufwendigen Einlegearbeiten versehen waren. Der Griff wird mit Rochenhaut umleimt und mit einem Band aus Seide oder Baumwolle rautenförmig umwickelt. Auch diese Wicklung, wird von spezialisierten Handwerkern, den Tsukamakishi ausgeführt.

Die Einzelteile der Schwertmontur (Koshirae), besonders die Tsuba, sind heute begehrte Sammlerstücke und erzielen Preise von mehreren tausend Dollar. Einige Stücke sind vom Handwerker signiert andere lassen sich nur über die Art der Herstellung einer Werkstatt zuordnen. Sie wurden klassifiziert und in Katalogen erfasst. Sie zu bestimmen und von geschickten Fälschungen zu unterscheiden, ist ein Spezialgebiet geworden. Manche Signaturen auf den Teilen der Montur und auch auf den Klingen lassen sich nicht eindeutig übersetzen und so sind selbst die Experten über ihre Bedeutung geteilter Meinung.

Das fertige Schwert wird durch einen Test auf Schärfe und Stabilität geprüft. Normalerweise werden gerollte Bambusmatten, Bambusstangen oder Strohbündel zerteilt. Früher wurde aber auch an Leichen oder zum Tode verurteilten Verbrechern die Qualität getestet.
Ein kräftiger, geübter Schwertkämpfer konnte mit einem solchen Schwert einen Menschen mit einem einzigen Hieb zerteilen.

Alle in Japan angefertigten Schwerter werden in Schaffens-Perioden eingeteilt:

   ♦  Chokuto, die Periode der "Antiken Schwerter" der Nara-Zeit, meist mit gerader Klinge nach chinesischem Vorbild;

   ♦  Koto, die Periode der "Alten Schwerter", sie wird von den ersten einschneidigen, gekrümmten Schwerter eingeleitet und reicht von der Heian-Zeit bis zum Ende der Ashikaga-Zeit;

   ♦  Shinto, die Periode der "Neuen Schwerter", sie beginnt mit der Tokugawa-Zeit,

   ♦  Shinshinto, die Periode der "Gegenwärtigen Schwerter", sie fängt mit dem Ende der Tokugawa-Zeit an.

   ♦  Gendaito / Shinsakuto, die "modernen Schwerter", von 1876 bis in unsere Zeit

Die Schwertschmiede, die sogenannten Kaji, genossen höchstes Ansehen. Manche Fürsten, und Mitglieder der Kaiserfamilie waren selbst aus Schmiede tätig und ließen sich von den besten Schmiedemeisten unterrichten. Das Schmieden galt sozusagen als angemessene "Freizeitgestaltung" eines Adligen.

Der erste Schmied, der gekrümmte Klingen herstellte und seine Arbeit auf der Schwertangel signierte, soll der legendäre Amakuni aus Uda gewesen sein. Er war Ende des 9. oder Anfang des 10. Jahrhunderts tätig. Es ist jedoch nicht wirklich klar, wann und von wem genau, die ersten einschneidigen und gekrümmten Klingen gefertigt wurden.
Viele bedeutende Schwertschmiedemeister stammen aus der Koto und Shinto-Periode. Im ganzen Land bildeten sich zahlreiche Schulen mit eigenen Techniken, Traditionen und Stilrichtungen. In der Muromachi-Epoche (1337-1573) etablierten sich die Traditionen der Schwertschmiede zu den Gokaden, den fünf Schulen, die nach ihren Heimatprovinzen benannt waren. Die meisten japanischen Schwerter dieser Epoche können einer dieser Schulen zugeordnet werden:

   ♦  Soshu
   ♦  Bizen
   ♦  Yamashiro
   ♦  Yamato
   ♦  Mino

In der Region von Bizen sind die Werkstätten Tomonari, Masatsune, Takahira, und Sukehira hervorzuheben. Aus dem Gebiet Yamashiro um die Kaiserstadt Kyōto stammten berühmte Schwertschmiede wie Munechika (938 - 1014), der die berühmte Sanjo-Schule begründete und seine Schüler Yoshiiye und Kanenaga.
Zu den hervorragendsten Meistern der Kamakura-Zeit (1185 -1333) zählen Yukimitsu, Masamune und Muramasa.
Den legendären Schwertklingen von Muramasa wurde nachgesagt, "blutdürstig und unheilbringend" zu sein.
Damals war man davon überzeugt, dass manche Schwertklingen beseelt sind und ein Eigenleben führen und gab ihnen daher auch persöhnliche Namen. So zum Beispiel:

  •  Kusanagi "Das Grasmähende" - Dieses Schwert rettete einst dem Prinzen Yamato Takeru das Leben. Seine Feinde setzten hohes Gras in Brand um den Prinzen zu töten, doch der Prinz konnte mit dem Schwert das Gras im weiten Bogen mähen und ein Gegenfeuer entfachen, dass seine Gegner verbrannte. Es ist eines der drei Throninsignien.

  •  Kogaratsu maru "Kleine Krähe" - Das aus dem 8. Jahrhundert stammende Schwert wird dem mythischen Schmied Amakuni zugeschrieben. Es war im Besitz des Taira-Clan und ist heute Teil des japanischen Nationalschatzes.

  •  O Kanehira "Großer Kanehira" - Ein beliebter Zuname berühmter Schwerter war die Vorsilbe O-, für "groß / mächtig", wie bei der Klinge O Kanehira aus der Werkstatt des Schmiedes Kanehira aus Bizen (frühe Heian-Zeit)

  •  Kura giri "Sattelschneider" - Fürst Date Masamune (1566 - 1636), soll mit diesem Schwert, einen Feind zu Pferde, mit einem einzigen mächtigen Schlag, vom Kopf bis zum Sattel gespalten haben und gab dem Schwert daher den Namen "Sattelschneider".

  •  Doji kiri "Dämonen-Spalter" - Die aus der Schmiede Yasutsuna (Provinz Hoki, ca. 900 n.Chr.) stammende Klinge, gehörte einst Minamoto no Yorimitsu (948 - 1021). Er soll damit den dämonischen Shuten Doji getötet haben. Später wurde es eines der "fünf himmlischen Schwerter" (Tenga Go Ken) und gehörte zum Besitz aller Shōgune.

  •  Juzu maru "Heiliger Rosenstrauch" - Diese Klinge wurde um 1200 n.Chr. vom Schmied Tsunetsugu (Provinz Bitchu) gefertigt. Sie soll dem Kriegermönch Nichiren, dem Begründer der buddhistischen Nichiren-Sekte, gehört haben und ist eines der "fünf himmlischen Schwerter",

  •  O Tenta "Großer Tenta" - Das Dritte der "fünf himmlischen Schwerter", war ein Meisterstück des Schwertschmiedes Tenta Mitsuyo. Die "Großer Tenta" genannte Klinge, gehörte dem Ashikaga-Clan bevor sie zum Toyotomi-Clan und von da aus in den Familienschatz des Maeda-Clan gelangte.

  •  Mikazuki "Mondsichel" - Die vierte Klinge, der "fünf himmlischen Schwerter" ist die sogenannte Mikazuki (Mondsichel) des Schmiedes Sanjo Munechika (938 - 1014) aus der Provinz Yamashiro. Ihr Name bezieht sich auf die halbmondförmige Härtelinie (Hamon) an der Spitze der Klinge.

  •  Ichigo hitofuri "Einmal im Leben" - Diese Klinge wurde von Yoshimitsu angefertigt. Das Schwert gelangte in den Besitz des Feldherren Toyotomi Hideyoshi (1537 - 1598). Da sich nie eine Gelegenheit ergab, das Schwert zu benutzen, gab Hideyoshi ihm den etwas seltsamen Namen Ichigo Hitofuri (Einmal im Leben). Es ist das Fünfte der "fünf himmlischen Schwerter".




zum Seitenanfang

Pfeil und Bogen

Die Kunst des Bogenschießens war in vielen asiatischen Kulturen sehr angesehen und wurde nicht nur in Japan zum wichtigsten Bestandteil kriegerischer Fähigkeiten. Der Bogen, Yumi, nach sino-japanischer Leseart auch Kyu genannt, war in der Schlacht die eigentliche Hauptwaffe. Erst wenn alle Pfeile verschossen waren, kam das Schwert oder der Speer zum Einsatz. Aufgrund ihres jahrelangen Trainings erreichten die Samurai im Umgang mit Pfeil und Bogen eine Geschicklichkeit wie sie wohl sonst nur bei den nomadischen Reitervölkern des vorderen Orients zu finden war. Ein guter Schütze konnte mehr als 10 Pfeile in der Minute verschießen und traf sogar bewegliche Ziele aus vollem Galopp. Ein Pfeil konnte auf 100 Meter und mehr, eine leichte Rüstung durchschlagen und den Gegner töten oder schwer verwunden.
Die maximale Reichweite eines japanischen Bogens liegt bei etwa 400 Metern, wobei aber ein treffsicherer Schuss nicht mehr möglich ist.
Die maximale Distanz für einen präzisen und tödlichen Treffer liegt für einen durchschnittlichen Schützen bei etwa 40 Metern.

Der Spannpunkt des Bogens befindet sich im unteren Drittel, dadurch kann man ihn auf dem Pferd besser handhaben.
Der typische Samurai-Bogen hat eine Länge bis 2,45 m.

Je nach Länge, unterscheidet man folgende Bogen-Typen:
  • 2,12 m - Sansun-tsumari
  • 2,21 m - Namisun
  • 2,27 m - Nisun-nobi
  • 2,33 m - Yonsun-nobi
  • 2,39 m - Rokusun-nobi
  • 2,45 m - Hassun-nobi

Der Bogen besteht aus mehreren Lagen Holz, meist Haze (eine Wachsbaumart), und ausgewählten Bambusleisten, die mit Hanf, Rattan und Leder fest umwickelt werden. Zum Schutz vor Feuchtigkeit wird eine Lackschicht aufgetragen. Die Idee des Kompositbogens übernahmen die Japaner wahrscheinlich im 10. oder 11. Jahrhundert aus China. Außer dem Langbogen (Daikyu), gab es noch den Kurzbogen (Hankyu) der in beengter Umgebung wie in Gebäuden oder dichten Wäldern von Vorteil war. Ein einzigartiger, 2,70 Meter langer Bogen aus dem Besitz von Yuasa Matashichiro, wird in Itsukishima aufbewahrt.

Die Verarbeitung von Bambus wurde im Bogenbau technisch perfektioniert und war lange Zeit ein von den Bogenbauern streng gehütetes Geheimnis.
Die Bogensehne (Tsuru) wird traditionell, aus Aoso, einer Art Hanf, angefertigt. Zur Festigung sind die Enden der Bogensehne mit Seidenband umwickelt. Bei tradionellen Wicklungen ist dies am oberen Ende rot und am Unteren weiß gefärbt. Da eine solche Hanfsehne nur begrenzt haltbar ist, trug der Samurai immer Ersatzsehnen bei sich. Wenn man täglich mit dem Bogen übt, hält die Sehne etwa 2 Monate.
In einem offenen Köcher (Ebira), der an der rechten Hüfte getragen wurde, führte man bis zu 25 Pfeile mit sich.

Die Pfeile (Ya)

Es gab zahlreiche Pfeilarten für verschiedene Verwendungszwecke. Übungspfeile für das Schießen auf Strohscheiben, Pfeile für die Jagd, für den sportlichen Wettkampf, für den Krieg und für rein zeremonielle Zwecke.
Unter anderem auch Signalpfeile mit einer Holzpfeife, die einen weit zu hörenden Heulton erzeugten. Mit diesen Signalpfeilen wurden beispielsweise böse Geister vertrieben oder vor einer Schlacht die Götter gnädig gestimmt.
Pfeile mit einer gabelartigen Spitze setzte man ein, um zum Beispiel die Takelage von Schiffen zu zerschneiden, wie effektiv das jedoch war, ist eher fraglich.
Besonders gefürchtet waren Pfeile mit Widerhaken, sogenannte Darmzerreißer (Watakuri-ya). Sie verursachten schreckliche Wunden und waren nur schwer aus dem Körper zu entfernen. Eine eher schmale, blattförmige Spitze war sehr wirkungsvoll gegen Rüstungen. So zum Beispiel die Form Sasa no ha (Bambusblatt). Brandpfeile wurden sehr effektiv gegen Holzgebäude und Schiffe eingesetzt.
Auch für das Training, mit Zielscheiben aus Strohballen, gab es spezielle Pfeile mit einer bolzenartigen Spitze. Einige Pfeile waren mit feinen Durchbrüchen und kunstvollen reliefartigen Darstellungen verziehrt. Diese Pfeile dienten vor allem zeremoniellen Zwecken und wurden unter anderem dem Kriegsgott Hachiman als Opfergabe dargebracht. Die zur Flugstabilisierung benutzten Federn wurden verschiedenen Vogelarten entnommen. Die Federn mussten widerstandsfähig sein und sollten auch optisch zueinander passen.
Man verwendete Schwanz- und Flügelfedern von Wildgänsen, Habichten, Kranichen, Raben und Hühnern. Sehr beliebt waren die äußeren Schwanzfedern des Adlers. Für den Einsatz in der Schlacht wurden meist Kriegspfeile (Soya) mit Falkenfedern benutzt, da diese sehr robust waren.
Die Federn des Uhu wurden jedoch nie verwendet, da er in der japanischen Mythologie mit bösen Mächten in Verbindung gebracht wurde.

Als der Bogen auf dem Schlachtfeld noch die Hauptwaffe war, ließen viele Samurai ihre Pfeile am Schaft mit ihrem Namen markieren, damit eindeutig klar war, wer von wem getroffen wurde.

In Gegensatz zu den meisten anderen Ländern, konnten in Japan die ersten Feuerwaffen den Bogen nicht gleich verdrängen. Er hatte noch lange seinen festen Platz im Waffenarsenal der Samurai.

Kyudo, die Kunst des traditionellen Bogenschießens ist bis heute, nicht nur in Japan, eine beliebte Sportart und wird wesentlich von der Zen Meditation beeinflusst.

zum Seitenanfang

Naginata

Eine typisch japanische Waffe, ist die Schwertlanze, die Naginata oder Nagemaki. Obwohl es in China ähnliche Waffenarten gab, steht nicht fest, daß diese als Vorlage für die japanischen Formen dienten.
Die buddhistischen Kriegermönche (Sohei) benutzten diese Waffe bereits im 11. Jahrhundert.

Die Naginata wurde, in einer etwas leichteren Ausführung, auch zur Hauptwaffe für die Frauen der Samurai, die sich und die Kinder schützen mußten, während ihre Männer in den Krieg zogen. Obwohl die Naginata im Vergleich zum Schwert etwas unhandlicher erscheint, hat sie durch den langen Schaft einen wesentlichen Vorteil in der Reichweite und durch die Gewichtsverteilung auch eine größere Wucht beim Schlagen. Mit der Naginata ließ sich ein Schwertkämpfer gut auf Distanz halten.
Die Schwertlanze waren in der Heian- und Kamakura-Periode noch als Nagemaki bekannt. Diese waren etwas kürzer als die späteren Naginata und sahen eher wie Schwerter mit langem Griff aus. Im Laufe der Zeit wurde, um die Handhabung zu erleichtern, der Schaft verlängert und die Klingen verkürzt. Der Schaft wurden meist mit Bändern umwickelt oder wie ein Schwertgriff gebunden. Da diese Waffen bei den Kriegermönchen sehr beliebt waren, hatten manche Tempel sogar eigene Schmiede. Es sind nur sehr wenige dieser wertvollen Waffen bis heute erhalten geblieben.

zum Seitenanfang

Yari

Der Speer ist die älteste Waffe der Menschheit, die sowohl zur Jagd, als auch im Kampf eingesetzt wurde. Seine Herstellung war denkbar einfach und der Gebrauch, mit ein wenig Übung, schnell zu erlernen.
In der frühen japanischen Geschichte hatte der Speer in shintoistischen Ritualen eine wichtige zeremonielle Bedeutung. Man nimmt an, dass er anfangs militärisch eher eine untergeordnete Rolle spielte. Die frühe Form der Speere, mit meist geraden Bronzeklingen, wurde Hoko genannt. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts, also am Ende der Kamakura-Periode, gewann der Yari als effektive Infanteriewaffe zunehmend an Bedeutung. Wahrscheinlich hatten die japanischen Heerführer von den Mongolen gelernt, die in den Jahren 1274 und 1281 bei ihren gescheiterten Invasionsversuchen, Speerkämpfer in großen geschlossenen Formationen einsetzten.

Der Yari wurde, wie die meisten anderen Waffen, von spezialisierten Handwerkern angefertigt. Der Schaft des Speeres bestand oft aus Eichenholz das mit dünnen Bambuslagen belegt und zum Schutz vor Feuchtigkeit, mit einer Lackschicht überzogen wurde. Ebenso wurden ausgesuchte Bambusstangen verwendet, die den Vorteil haben, dass sie schon von Innen hohl, die Angel der Speerspitze perfekt aufnehmen können. Durch die Umwicklung des Bambusschaftes mit Leder, Hanf oder anderen Materialien und eine Lackierung wurde bei hoher Fexibilität, trotzdem eine enorme Festigkeit erreicht.
Die Klinge hatte ein meist beidseitig geschliffenes Blatt, welches in einigen Ausführungen mit Beiklingen versehen war. Mit den Beiklingen die oft im 90° Winkel zur Hauptklinge standen, konnte man einen Angriff blocken oder einen Reiter vom Pferd ziehen. Besonders bei der Verteidigung von Burgmauern waren die Speere, oder genauer gesagt, Spieße mit Beiklingen in Gebrauch, da man die Seile von Wurfankern zerschneiden und die Angreifer von ihren Sturmleitern stoßen konnte
Die Länge der Speerspitze lag meist zwischen 20 cm bis 1 Meter und wurde, je nach Geschmack des Auftraggebers, oft in fantasievollen Formen angefertigt. Mit der Einführung streng organisierter Truppenteile wurde auch die jeweilige Bewaffnung weitgehend vereinheitlicht. Individuelle Waffenformen waren den höherrangigen Samurai vorbehalten oder dienten nur einem zeremoniellen Zweck. Manche Krieger hatten sich auf die Technik des Speerkampfes spezialisiert und waren gefürchtete Gegner für jeden Schwertkämpfer. Die Vor- und Nachteile des Speeres liegen auf der Hand. Auf freiem Feld, vom Pferd aus und auch bei der Verteidigung einer Burgmauer ist der Speer ganz klar durch seine Reichweite von Vorteil. In Inneren von Gebäuden, in den engen Gassen einer Stadt oder im Wald ist er klar im Nachteil oder sogar nutzlos gegenüber dem Lang- oder dem Kurzschwert.

Der ursprünglich 2 bis 4 Meter lange Yari wurde in der Sengoku-Periode aus taktischen Gründen noch verlängert. Vor allem gegen berittene Angreifer war diese Waffe äußerst effektiv. Auch die Reiter waren meist mit Speeren ausgerüstet, die aber in der Regel etwas kürzer und leichter waren.

Yari-Einheiten wurden am effektivsten in geschlossenen Formationen eingesetzt. Solche Truppenteile setzten sich oft aus den Ashigaru zusammen, teilweise rekrutierte Bauern in leichter Rüstung. Diese konnten den Umgang mit einem Speer viel schneller erlernen, als mit dem Schwert oder Bogen, was langwieriges Training erfordert hätte. Der Einsatz großer, "kostengünstiger" Yari-Verbände, in der Art der antiken, griechischen Phalanx, hatte taktische Vorteile.
Es war für die heranstürmenden Feinde nicht gerade einfach, eine geschlossene Reihe hunderter Speere zu durchbrechen.

Die Ashigaru des Oda-Clans setzten über 5 Meter lange Speere ein, mit denen sie den Arkebusieren Deckung gaben, während die ihre Waffen nachluden.
Die Kunst des Lanzen- bzw Speerfechtens wird als So-jutsu bezeichnet.

Anmerkung:
Nach heutiger Terminologie ist ein Speer eine Wurfwaffe, eine Lanze die Stoßwaffe der berittenen Krieger und der Spieß die Stoßwaffe der Fußsoldaten.



zum Seitenanfang

Andere Waffen

Es gab noch eine Vielzahl anderer Waffen, die teilweise recht abenteuerliche Formen hatten.

So wurden von einigen Kämpfern eiserne oder hölzerne, stachelbesetzte, bis zu 2 Meter lange Keulen (Tetsubo) eingesetzt.

Zum Sturm auf befestigte Gebäude, benutzte man eine übergroße Axt (Masakari) oder eine Art Vorschlaghammer mit langem Stiel, Tsuchi oder auch O-tsuchi genannt.
Mit diesen Sturmwaffen wurden beispielsweise Türen und Tore eingeschlagen oder die Wasserleitungen belagerter Burgen zerstört. Mitunter wurden diese Waffen auch im Nahkampf eingesetzt.

Auch die, an sich harmlos erscheinenden Fächer wurden als Waffe eingesetzt. Zu diesem Zweck konstruierte man metallverstärkte Kampf-Fächer, sogenannte Tessen.

Ninja- und Bauern-Waffen


Wurfwaffen
Die Wurfnadeln und Wurfsterne (Shuriken) waren in erster Linie bei den Ninja, in Gebrauch.
Doch auch viele traditionelle Samurai-Schulen (Koryu) beinhalten die Techniken des Shurikenjutsu. Diese Waffen waren nicht unbedingt tödlich, sondern eher dazu geeignet, den Gegner zu verletzten und ihn dadurch zu schwächen. Sie ließen sich unauffällig in der Kleidung verstecken oder wurden von Frauen als Haarnadel getragen. Solche Waffen kamen wohl eher bei Attentaten und zur Selbstverteidigung zum Einsatz, als auf dem Schlachtfeld. Der Gebrauch von Wurfgeschossen wurde seit dem 14. Jahrhundert in speziellen Schulen unterrichtet. Zu den ersten Waffen dieser Art gehörten unter anderem auch Wurfpfeile, die mit einer langen Schnur am Handgelenk, nach einem Wurf zurückgeholt werden konnten.
Als Shaken wird eine Wurfwaffe in rechteckiger Form mit 4 Spitzen bezeichnet.
Die Wurfnadeln werden je nach Form bezeichnet als:

Shingata-Shuriken (beidseitig spitz),
Kurigata-Shuriken (einseitig spitz),
Hokogata-Shuriken (speerförmig)
oder allgemein als Bo-Shuriken

Jyuji-Shuriken bezeichnet einen kreuzförmigen Wurfstern und
Happo-Shuriken einen Wurfstern mit 8 Spitzen.

Das ab dem 16.Jahrhundert bei vielen Samuraischwertern am oberen Ende der Schwertscheide eingesteckte kleine Beimesser (Kogatana) und auch das nadelförmige (Kogai), wurden sicher nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Wurfwaffe eingesetzt.

Makibishi
Getrocknete Wassernüsse bzw. Wasserkastanien oder Horn-Nuss (lat. Trapa natans), (jap. Hishi) wurden als eine Art Krähenfüße eingesetzt. Ihre verholzten Dorne konnten die Sohle von Strohsandalen durchdringen und schmerzhafte Verletzungen verursachen. Egal, wie man die Nuss wirft, es steht immer ein Dorn nach oben. Die Wassernüsse wurden später dann durch die metallenen Tetsubishi ersetzt.

Sai
Das Sai ist eine ca. 40 bis 50cm lange Gabel mit drei Zinken. Die Mittlere ist dabei etwa dreimal länger als die Äußeren. Es ist keine Samurai-Waffe sondern eine Bauern-Waffe die ihren Ursprung auf der Insel Okinawa hatte. Diese Waffe entwickelte sich wahrscheinlich aus einem Werkzeug, daß beim Fischfang verwendet wurde, ist aber auch einer Heugabel recht ähnlich.
Das Sai wurde paarweise benutzt, und war bestens geeignet, einen Schwertangriff zu blocken. Während man mit der einen Gabel die Waffe des Gegners abwehrte, konnte man mit der Anderen einen tödlichen Stoß ausführen. Mitunter wurde noch ein drittes Sai in der Kleidung versteckt getragen, so das ein Sai als Wurfwaffe eingesetzt werden konnte.
Das Sai ist auch in China, Indien, Vietnam und Indonesien bekannt.

Nunchaku
Auch das Nunchaku war keine Samurai-Waffe sondern entwickelte sich aus dem Dreschflegel der Bauern. Es bestand aus zwei mit einem Band oder einer Kette verbundenen Hölzern, die mit einer hohen Geschwindigkeit herumgeschleudert wurden. Die dabei freiwerdenden Kräfte waren so groß, dass ein Abblocken der Schläge nur schwer möglich war. Ein geübter Kämpfer konnte außerdem mit dieser Waffe das Schwert oder den Speer des Gegners einklemmen und ihn entwaffnen. Es wurde einzeln oder als Paar angewendet.
Eine Variante mit drei Hölzern wurde Sansetsukon genannt und war bis zu 2 Meter lang.
Der Ursprung dieser Waffe liegt in China, von wo sie über Okinawa nach Japan gelangte. In China sind derartige Waffen bis heute, zum Beispiel bei den Mönchen des Shaolin-Klosters in Gebrauch.
Die Handhabung einer solchen Waffe erfordert jahrelanges Training.

Das auch als "Würgeholz" bezeichnete Nunchaku wird als so gefährlich eingestuft, das es seit 1971 in Deutschland verboten ist. Anfangs wurden noch Ausnahmegenehmigungen für einige Kampfsportler erteilt, jedoch sind seit 2006, ohne Ausnahme, auch alle Varianten wie Soft- oder Leucht-Nunchaku in Deutschland verbotene Waffen im Sinne des Waffengesetzes und somit illegal.

Manriki-gusari
Ist eine Kette an deren Enden Gewichte befestigt sind.

Kusari-kama
An langen Ketten befestigte hakenförmige Klingen, wurden Kusari-kama genannt. Man warf sie beispielsweise auf einen Reiter und zog ihn einfach an der Kette vom Pferd.

Der Stock
(Cho oder auch Bo)
Sicher eine der unaufälligsten Waffen war der Stock. Als Wanderstock war er ein ständiger Begleiter der Priester und Mönche. Mit der richtigen Technik konnte er jedoch zu einer der gefährlichsten Waffen werden, die sogar dem Schwert überlegen war.

Polizei-Waffen


Polizisten benutzten zur Selbstverteidigung und Abwehr von Schwertern den Jutte, ein bis zu 50 cm langer, massiver Schlagstock mit Parierstange. Diese Waffe gehörte, etwa ab dem 15. Jahrhundert, zur Standartausrüstung der einfachen Polizisten, denen das Tragen von Schwertern nicht erlaubt war. Nur hohe Polizeibeamte hatten den Rang eines Samurai und durften zwei Schwerter tragen.
Ebenso zur Abwehr wie zur Festnahme wurden unterschiedliche Stangenwaffen benutzt. Mit Widerhaken und Stacheln ausgestattet, sollte sich die Kleidung darin verfangen und den Verbrecher festsetzen. Leistete er trotzden Widerstand, konnte er sich an den Stacheln schmerzhafte Verletzungen zufügen.
Diese Stangenwaffen waren der Sodegarami (Ärmelgreifer - mit Stacheln und Haken), Tsuku bo (ein T-förmiger Stab mit Stacheln) und der Kumade (eine Art eiserne Kralle).
zum Seitenanfang

Feuerwaffen

Die erste Verwendung von schießpulverähnlichen Stoffen als Waffe, ist in einem chinesischen Militär-Handbuch (Wu Jing Zong Yao) aus dem Jahre 1044 belegt. Man verwendete es in Form von Bomben, die wahrscheinlich mit Katapulten verschossen wurden. Es gibt keine Belege dafür, dass man diese Erfindung nach Europa exportierte oder gar schmuggelte. Man geht heute eher davon aus, dass das Schwarzpulver hier erneut erfunden wurde.

Die erste Bekanntschaft mit Schießpulver machten die Samurai während der mongolischen Invasionversuche (1274 und 1281), als die Angreifer, mit Pulver gefüllte Sprengsätze mit Katapulten und Pfeilen verschossen.

1542 brachten portugiesische Seefahrer erstmals Arkebusen und Musketen nach Japan. Zwar kannten die Samurai schon das Schiesspulver und einfache chinesische Feuerwaffen wie hölzerne Kanonen und Raketen, jedoch waren diese mit den hochwertigen europäischen Luntenschloßmusketen nicht zu vergleichen.
Schon bald erkannten die Japaner die Vorteile der neuen Technik. Während die Ausbildung eines guten Bogenschützen mehrere Jahre dauerte, nahm die Einweisung eines Arkebusiers nur wenige Tage in Anspruch. So wurden die, mit der einfach zu bedienenden Arkebuse ( japanisch Teppo ) ausgerüsteten, Teppo-Ashigaru-Verbände eine neue Bedrohung für die traditionellen Kämpfer.

Doch im Vergleich mit einem geübten Bogenschützen gab es auch Nachteile. Das Laden der Waffe war zwar einfach zu erlernen aber vom Vorgang her recht umständlich. Zum Abfeuern eines solchen Vorderladers waren bis zu 30 Handgriffe nötig, wodurch nur ein bis zwei Schuss in der Minute möglich waren. Die Teppo-Ashigaru brauchten also während des Nachladens unbedingt Deckung und Schutz durch andere Kämpfer. Damit die Waffe feuerbereit war, musste für die Luntenschloss-Zündung ständig eine glühende Lunte bereit sein. Bei Nässe konnten das Pulver und die Lunten schnell unbrauchbar werden.
Der glatte Laufe und das kugelförmige Geschoss sorgte dafür, dass die Treffgenauigkeit bei Entfernungen von über 50 Meter vergleichsweise gering war. Die Genauigkeit war über eine 100 Meter-Distanz nicht mehr hoch genug, um einen Menschen sicher zu treffen und über 150 m war ein Treffer reine Glücksache.

Die Muskete, mit ihrem etwas größeren Kaliber, war so schwer, das sie, um überhaupt zielen zu können, auf ein Stativ gestützt wurde. Es konnte sogar vorkommen, daß die Waffe beim Abfeuern explodierte und den Schützen verletzte. Wegen ihrer größeren Feuerkraft setzte sich die Muskete, Ende des 16. Jahrhunderts, gegen die Arkebuse durch. Durch technische Verbesserungen wurde die Muskete leichter als die Arkebuse, und musste nicht mehr auf einen Gabelstock gestützt werden. Später setzte sich der Begriff Muskete als allgemeine Bezeichnung für Langwaffen unterschiedlicher Kaliber durch.

Der entscheidende Vorteil der Feuerwaffen war jedoch die hohe Durchschlagskraft. Noch auf eine Entfernung von über 200 Metern, war die Geschossenergie so groß, das die traditionellen Rüstungen keinen effektiven Schutz mehr bieten konnten.
Erst die, von den Europäern eingeführten, schweren Brustpanzer konnten einem Beschuss durch Musketenkugeln meist standhalten. Nachdem man die Konstruktion genau studiert hatte, wurden die Arkebusen und Musketen in Japan nachgebaut.
Zuerst wurden Schwertschmiede mit der Fertigung beauftragt, doch schon bald spezialisierten sich einige Handwerker auf die Produktion der begehrten Waffen. Die Anfertigung des Gewehrlaufes bereitete weniger Schwierigkeiten als die Einzelteile der Mechanik. Für den Lauf legte man einen glühenden Stahl um einen langen Dorn und verband die Naht durch Feuerverschweißung. Dieser Vorgang wurde auch mehrfach ausgeführt, wodurch man sehr stabile, mehrlagige Läufe herstellen konnte. Die Anfertigung des Schwanzschraubengewindes und der Schlagfeder war schon etwas problematischer.
Die japanische Version dieser Waffen war auch als Tanegashima-Gewehr bekannt. Gegenüber ihren europäischen Vorbildern unterschieden sie sich in der Haltung beim Zielen und Abfeuern. Der Gewehrkolben war kürzer und wurde nicht an der Schulter abgestützt sondern in der Hand gehalten. Der Hahn mit der glimmenden Lunte wurde in entgegengesetzter Richtung auf die Pulverpfanne gedrückt, also vom Schützen weg.
Ebenso wie Rüstungen im europäischen Stil, so waren auch Waffen aus Europa, gegen Ende der Sengoku-Zeit besonders in Mode gekommen.
Auch das Schießpulver wurde schon bald in Japan hergestellt. Zwar kannte man die Mischungsverhältnisse, es fehlte jedoch anfangs an den mechanischen Vorrichtungen womit die Ingredienzien zerstoßen und ausreichend gründlich untereinander vermengt werden konnten.

Die Kunst des Schießens mit Feuerwaffen, wird als Ho jutsu oder auch als Teppo-jutsu bezeichnet. Neben den langen Arkebusen wurden auch kürzere Waffen für Reiter angefertigt.

Bei Belagerungen und Feldschlachten wurden zwar neben den Holzkanonen, auch weiterentwickelte Raketen, Eisen- und Bronze-Kanonen eingesetzt, sie erlangten jedoch nie die Bedeutung, die sie in Europa hatten. In der Regel verschoss man Brandpfeile und andere Brandsätze um die Holzkonstruktionen der Burg in Brand zu setzen. Die europäischen Kanonen waren außerordentlich teuer und für eigene Produktionen mangelte es meist an Erfahrung und Ressourcen.

Es dauerte noch einige Zeit, bis die ersten größeren Verbände aus Teppo-Ashigaru effektiv eingesetzt wurden. Denn nur in der Masse, spielte die geringe Zielgenauigkeit keine Rolle mehr.
Das gleichzeitige Feuer aus hunderten von Arkebusen in geschlossenen Schützenreihe hatte eine verheerende Wirkung. So wurden die gefürchteten Elite-Reiter des Takeda-Clans, in der Schlacht von Nagashino (1575), vernichtend geschlagen, als Oda Nobunaga 3000 Arkebusiere in Dreierreihen hinter Palisaden in Stellung brachte und nicht nur auf die Reiter, sondern auch auf die Pferde feuern ließ.
Der Negoro-Tempel hatte eine eigene Schusswaffen-Produktion und verfügte über eine gefürchtete Söldnertruppe mit Arkebusen-Schützen, die Negoro-Shu. Bei vielen Samurai galten Feuerwaffen als Waffen für Feiglinge.

Miyamoto Musashi schrieb:

“Die Muskete ist die tödlichste Waffe in der Schlacht, bevor die Truppen aufeinander treffen. Doch sobald die Schwerter gekreuzt werden, ist sie wertlos.”

Mit der Selbstisolation und der Ablehnung der westlichen Kultur während des Tokugawa-Shōgunats, wurden die Feuerwaffen vom höheren Samurai-Stand weitgehend abgelehnt.
Alle Büchsenmacher Japans durften fortan, nur noch unter strenger Reglementierung, geringe Stückzahlen herstellen. In dem fast perfektem Überwachungsstaat der Tokugawa, verfügte das Militär zwar über ein begrenztes Arsenal an Feuerwaffen, jedoch fand praktisch keine nennenswerte Weiterentwicklung statt.
An den Küstenbefestigungen wurden aus Mangel an Geschützen, zusätzliche Kanonen auf Stoffbahnen aufgemalt, um wenigstens nach Aussen den Anschein einer Küstenbatterie zu wahren. Desweiteren besaß man, außer den Kanonen aus der Zeit des Europa-Handels, auch noch welche aus Holz, die zumindest funktionierten. Ob überhaupt ausreichend brauchbares Pulver und geschulte Artilleristen zur Verfügung standen, um einen möglichen Angriff von See abzuwehren, ist nicht eindeutig überliefert. Als die Amerikaner 1854 mit modernsten Dampf-Kriegschiffen Japans Öffnung erzwangen, waren die japanischen Truppen immernoch mit den Vorderladern des 16. Jahrhunderts ausgerüstet.



Inhaltsverzeichnis


bild_schmied
© welt der samurai
Das Schmieden von Schwertern wurde wie ein heiliges Ritual vollzogen

schwerter      bild_nodachi
© welt der samurai
Schwerter im Größenvergleich.
Wakizashi (meist 60 bis 80cm lang).
Katana und Tachi (etwa 80 bis über 100cm lang).
Nodachi (120cm und mehr)

nakago
© www.japan-antiquitaeten.de / Sammlung J.R.Miller
Signatur (Mei) auf einer Schwertangel (Nakago).

Härtelinie Hamon
© welt der samurai
Härtelinie (Hamon) mit Struktur der Martensitkristalle:
Nioi - weiche, wolkenartige Strukturen
Nie - feine, körnige Strukturen

klingenaufbau
© welt der samurai
Beispiel eines Klingenaufbaus im Querschnitt, Typ "Kobuse"

klingenaufbau
© welt der samurai
Klingenaufbau, Typ "Honsanmai"

O Kissaki
© welt der samurai
O Kissaki - lange Form der Klingenspitze


Ko Kissaki
© welt der samurai
Ko Kissaki - kurze Form der Klingenspitze

Schwert-Stichblatt
© www.japan-antiquitaeten.de / Sammlung J.R.Miller
Die Herstellung der Stichblätter (Tsuba) entwickelte sich zu einer eigenständigen kunsthandwerklichen Richtung. Heute sind alte Stichblätter begehrte Sammlerobjekte und werden nicht selten über 1000 Euro gehandelt.
rennofen
© welt der samurai
Ein früher Rennofen wie er auch in Europa verwendet wurde. Diese Methode der Roheisengewinnung war schon vor über 4000 Jahren bekannt.

bogen
© welt der samurai
Die asymetrische Form ist typisch für den japanischen Bogen und diente der leichteren Handhabung zu Pferde.

pfeilspitze
© welt der samurai
Manche Pfeilspitzen waren mit feinsten Durchbrüchen und kunstvollen Ornamenten verziert.

bogenquerschnitt
© welt der samurai
Beispiel einer Bogen-Konstruktion im Querschnitt.

karimata, torijita, togariya
© welt der samurai
links: gegabelte Pfeilspitze; Karimata
mitte: vogelzungenartige Pfeilspitze; Torijita
rechts: lanzenartige Pfeilspitze; Togariya

naginata
© welt der samurai
Die Schwertlanzen Naginata und die kürzeren Nagemaki, gab es in unterschiedlichen Ausführungen.

yari
© welt der samurai
Einige Varianten der Speer- und Lanzenspitzen.

sai
© welt der samurai
Sai-Gabeln

nunchaku
© welt der samurai
Das Nunchaku, die einfache aber effektive Bauernwaffe, entwicklte man zur Zeit der Waffenverbote

jutte
© welt der samurai
Der Jutte war eine Polizeiwaffe, die zur Abwehr von Schwertangriffen diente.

jutte
© welt der samurai
Der Sode Garami (links) war eine Waffe der Polizei und anderer Sicherheitskräfte. Mit Stacheln und Widerhaken ausgestattet, sollte er sich in der Kleidung des Verbrechers verfangen und eine Flucht unmöglich machen.
Unterschiedliche Formen dieser Stangenwaffen (rechts im Bild).

Samurai mit Muskete
Galerie am Haus der Kunst München
Luntenschlossmuskete
© welt der samurai
Die japanische Version der Luntenschloss-Muskete unterschied sich in einigen Punkten von den europäischen Vorbildern. Der Hahn mit der Lunte war in entgegengesetzter Richtung angebracht und der Kolben war wesentlich kürzer.
Luntenschlosspistole
© welt der samurai
Auch Pistolen wurden nach den europäischen Vorbilder angefertigt. Doch auch hier mit einigen Modifizierungen.

Luntenschloss Detailansicht
© www.japan-antiquitaeten.de / Sammlung J.R.Miller
Das Luntenschloss in Detailansicht an einer Reiterpistole (Bajozutsu) ...

Luntenschloss Detailansicht
© www.japan-antiquitaeten.de / Sammlung J.R.Miller
... schräg von oben gesehen mit der verschließbaren Pulverpfanne

sechsschüssige Pistole
© www.japan-antiquitaeten.de / Sammlung J.R.Miller
Das Geschick und der Einfallsreichtum der japanischen Waffenschmiede zeigt sich in vielfältiger Form. So wie bei dieser sechschüssigen Pistole aus der Edo-Zeit



zum Seitenanfang